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Ref. :  000001925
Date :  2001-10-11
Language :  German
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Métissage

Métissage

Author :  Khal Torabully


Mehr als je zuvor erscheint dieses Wort wie ein Hoffnungsschimmer in einer durch Globalisierungen und Brechungen erschütterten Welt, denn es beinhaltet zweifelsohne eine sehr starke Definition dessen, was ein Mensch ist. Und dennoch ist dieses Wort – das ist eines seiner Paradoxien – allzu oft in der Opposition zu den Theorien eines J. A. Graf von Gobineau oder anderer Varianten der Lehre der reinen Rasse gefangen, die den Menschen so viel Unglück gebracht haben. Diesen grausamen Ausschließungsversuchen hat man das Wort „Métissage“ („Kreuzung“, „Vermischung“) gegenübergestellt. Als wenn es das Allheilmittel wäre, um die Ruandas, die Sarajevos, die … abzuwehren.

Mischling, Halbblut, Bastard

Anfangs bedeutet der spanische Term mestizo „vermischt“ und bezieht sich auf Maßnahmen zur Verbesserung von Tier-, Pflanzen- und ovinen (Schafe, Ziegen …) Rassen. Aber wenn es um die menschliche Rasse geht, trifft man auf ambivalentere Beurteilungen, weil die Gesellschaften verschiedene Abstufungen getroffen haben: Vollblut, Halbblut oder Dreiviertelblut. Ganz zu schweigen vom Bastard.

Positive und paradoxerweise abwertende Vorurteile färben diesen Ausdruck im Vorfeld. Sagte Mirabeau nicht, dass die „gemischte Rasse“ dem Adel fremd sei? Charron sprach in De la sagesse von zweideutigen Mischlingsformen „zwischen dem Menschlichen und der brutalen Gewalt“.

Das „Vermischen“ bezeichnete ursprünglich eine freiwillige, organisierte, gewollte Maßnahme, vor allem im Tier- und Pflanzenreich. Dieser Terminus ist auch Bestandteil des Vokabulars von Staaten, die für Multikulturalismus oder Multikonfessionalismus eintreten, und gilt demnach als antirassistisch. Man sagt, Brasilien sei ein Land der Mestizen, aber mit einem beträchtlichen Maß an Ungerechtigkeit gegenüber den Schwarzen.

Man kann bei Mestizen die schlimmsten Formen von Rassismus erleben, wenn sie ihre „Vermischtheit“ falsch leben. Ich habe in Kuba (Castros schönste Eroberung) und in Kolumbien, in Médellin, wo Gewalt auf sozioökonomischer Ebene herrscht, die schönsten kulturellen, aber auch psychischen Mischlinge gesehen.

Ich habe ein Land mit einer Mischlingstradition kennen gelernt, Oman, das mit seinen Segelschiffen, den boutres, seit 3000 Jahren Handel und Austausch mit Indien, China und der Ostküste Afrikas betreibt. Dieses Land der Begegnungen und Entdeckungen hat nie offiziell einen Diskurs über die Métissage geführt, die es seit Jahrtausenden lebt und praktiziert.

Liebesgeschichte, Abenteuer, Schuld

In anderen Ländern, wo man von Vermischung spricht, erweckt das Wort diffuse Ängste vor dem Verlust seiner selbst.

Sollte man statt dem Begriff „Vermischung“ nicht lieber Begriffe wie Begegnung, Harmonie mit sich selbst und daher mit dem Anderen, Alterität, Kreolisierung oder Coolitude verwenden? Das alles sind Konzepte, die Brücken schlagen zwischen Männern und Frauen, ohne die notwendige Komplexität der Begegnung des einen / der einen mit der anderen / dem anderen zu leugnen.

Man darf die Begegnung nicht organisieren und daraus ein Rendezvous bar jeder Überraschung machen. Die Métissage sollte eine Liebesgeschichte sein, die man dem Schicksal, dem Willen jedes Einzelnen überlässt. Man muss mit ihr vorsichtig umgehen in einer Politik, die sich den Dämonen der Ausschließung widersetzt, auch wenn die Idee großzügig ist.

Vor allem ist es ein Abenteuer, das dem Individuum überlassen werden muss, aber unter der Bedingung, dass es bereit ist, sich mit und in dem anderen zu begegnen, weil auch eine ungezügelte Vermischung noch lange nicht das Ende der Vorurteile hinsichtlich Rasse, Kultur oder Zivilisation bedeuten muss.

Der senegalesische Politiker und Schriftsteller Léopold Senghor folgte einer bewundernswerten Devise: „Wir sind es uns schuldig, kulturelle Mischlinge (métis culturels) zu sein.“

Dieser „Geist des Mischens“ muss, so scheint es mir, eine Vorbedingung für jede Vermischung bilden, weil er vor allem auch andeutet, dass eine biologische Vermischung zu „Mischhäuten“ führen kann, welche die abscheulichen Masken des Rassismus oder des Unbehagens tragen.

Addition der Wesen

Wenn die „Vermischung“ entspannt gelebt wird, dann gelingt es auch, die Begegnung zu „veredeln“.

Die kulturelle Vermischung ist eine Denkhaltung, sie eröffnet neue Dimensionen von Möglichkeiten und überlässt einen Gutteil dem Wirklichen, dem Zufall und dem Unbeschreiblichen in der menschlichen Begegnung. Zuerst den anderen verstehen, sagte Mahatma Gandhi, und ihn dadurch vielleicht lieben, mit all seinen Schatten- und Sonnenseiten. Mit allem, was dies an Menschlichem mit sich bringt.

Es ist also wichtig, das Wort „Métissage“ von seinem rigorosen, wissenschaftlichen, zielgerichteten, ja kalten Diskurs zu befreien, vor allem wenn sein nicht eingestandenes Ziel darin liegt, „eine Rasse mit einer anderen zu kreuzen, um die minderwertigere zu verbessern“ (Émile Littré).

Was nichts anderes bedeutet, als dass eine der zwei „Rassen“ hinter den „Qualitäten“ der anderen verblassen muss, was letztlich die Begegnung tötet, mit allem, was ihr an Störendem und Unvorhersehbarem innewohnt. Und sie tötet vielleicht auch das Schönste, das sie in sich birgt: die unerträgliche „Addition“ der Wesen.

Aus dem Französischen von Ingrid Fischer-Schreiber


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