|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
| |
Ref : |
000016350 |
|
|
Date : |
2005-01-02 |
|
Langue : |
German |
|
|
|
| |
Indigenes Wissen |
| Indigenes Wissen | Indigenes Wissen wird seit vielen Jahrhunderten von einheimischen und örtlichen Gemeinschaften genutzt. Es ist die wichtigste Unterstützung für ihre Existenz, insbesondere in den Schlüsselsektoren wie Ernährung und Gesundheit. Die westliche Wissenschaft hat in letzter Zeit damit begonnen Indigenes Wissen als eine neue Quelle für Medikamente zu betrachten, da die Kosten, um neue Medikamente auf den Markt zu bringen, stark gestiegen sind. Das wachsende Phänomen der Biopiraterie zeigt die etwas scheinheilige Einstellung der westlichen Wissenschaft gegenüber Indigenes Wissen (IW). Auf der einen Seite steht die Plünderung von IW und auf der anderen Seite wird die Patentierung von allen möglichen Produkten, die auf IW beruhen (Tumeric, Ayahuasca, Niem etc.), für sich in Anspruch genommen, ohne das die ökonomischen Werte und die Eigentumsrechte anerkannte werden.
Trotz der wachsenden Anerkennung von IW als eine wertvolle Wissensquelle, behandeln westliche Gesetze in Bezug auf geistiges Eigentum weiterhin IW als ein „Allgemeingut“, welches jedermann frei zur Verfügung steht. Darüber hinaus haben sich in einigen Fällen Forscher und kommerzielle Unternehmen diverse Formen von IW als geistiges Eigentum angeeignet, ohne eine Abfindung an die Erfinder oder Besitzer zu bezahlen.
Ebenso sind die Nutzung und ständige Verbesserung landwirtschaftlicher Arten (Landrassen) essentiell für agrarwirtschaftliche Systeme. In vielen Ländern ist das Saatgutangebot grundsätzlich angewiesen auf dezentralisierte lokale Systeme zur Saatgutproduktion. Diese arbeiten so, dass nur das beste Saatgut innerhalb einer Gemeinde verwendet wird. Die lokalen Farmer stellen sicher, dass die Landwirte der Gemeinden mit Bepflanzungsmaterialien beliefert werden. Die Tatsache, dass die Landwirte die Unterschiede ihrer Ernteerträge und deren spezielle Besonderheiten kennen, stellt einen zentralen Punkt in der Entwicklung der Pflanzenverschiedenheiten und der weltweiten Nahrungssicherheit dar.
Die Bedeutung von IW hat eine zunehmende Anerkennung in internationalen Foren erlangt. Deshalb wurde im Jahr 1981 ein WIPO-UNESCO Model-Gesetz zur Volkskunde adaptiert. 1992 wurde dem Abkommen zur biologischen Diversität der besondere Zusatz (Artikel 8(j)) hinzugefügt. Im Jahr 2001 wurde unter der Schirmherrschaft der WIPO (World Intellectual Property Organisation = internationales Patentamt) ein internationales Komitee zum Thema geistiges Eigentum und genetische Ressourcen, indigenes Wissen und Volkskunde gegründet.
Die Veruntreuung von IW
Die Entwicklungsländer gewährten viele Patente für genetische Ressourcen und Wissenserhaltung ohne die Einverständniserklärung des Besitzers der Ressource oder des Wissens. Es existieren ausführliche Unterlagen zu geistigen Eigentumsrechten (Intellectual Property Rights = IPR) auf der Suche nach den Ressourcen „so wie sie sind“, die jedoch nicht verbessernd geändert wurden (zum Beispiel das US Patent Nr. 5.304.718 auf Quinoa für Forscher der Colorado State University; US Pflanzenpatent Nr. 5.751 auf Ayahuasca, eine heilige und medizinische Pflanze des Amazonas) und ebenso auf der Suche nach Produkten, die auf pflanzlichen Materialien und Wissen, welches von einheimischen/lokalen Gemeinden entwickelt und genutzt wird, basieren. So wie unter anderem im Falle des Niembaums, Kava, Barbasco, Endod und Turmeric.
Viele dieser Patente wurden von den zuständigen nationalen Behörden widerrufen. Dennoch bat der Council of Scientific and Industrial Research (CSRI) aus Indien um eine nochmalige Überprüfung des US Patents Nr. 5.304.718, da sich dies zur Heilung der Wunden der Wirkung von Turmeric eignet. Das US Patent and Trademark Office (USPTO) hob das Patent auf, nachdem es festgestellt hatte, das es sich hier nicht um etwas Neues handelt; diese „Erfindung“ wird in Indien schon seit vielen Jahrhunderten genutzt. Anfang 2000 wurde das gewährleistete Patent für die W. R. Grace Company und das US Department für Landwirtschaft für Niem (EPO Patent Nr. 436.257) durch das Europäische Patent Büro aufgehoben auf Grund des existierenden Bekanntheitsgrades in Indien. Der Niembaum wird hauptsächlich für Biopestizide verwand. Niem besitzt mehr als 60 wertvolle Verbindungen, besonders das weit verbreitete Azadirachtin A (aza A). Laut Grace wurde Azadirachtin während der traditionellen Verarbeitung zerstört. Dies ist sehr ungenau. In der Tat waren die Extrakte Gegenstände zur Degradation. Dies führt aber zu keinem Abfall, seit die Landwirte solche Extrakte nur benutzen, wenn sie benötigt werden. Das Problem der Stabilisation ergibt sich nur, wenn es zu kommerziellen Zwecken lange Zeit verpackt werden muss. Die 1992 vorgelegt Patent Anfrage von Grace basierte auf dem Prinzip, dass der Prozess, angeblich von ihnen erfunden, den Weg ebnet für ein zusätzliches Extrakt in Form von wasserlöslichem Niem-Extrakt. Infolgedessen ist dies eher eine Bereicherung für die gegenwärtige Niem-Industrie in Indien als ein Substitut. Kurz gesagt sind die Prozesse vermutlich neu und daher ein Fortschritt in der indischen Technologie. Dennoch existiert diese Neuheit hauptsächlich dank der Unwissenheit des Westens. Als das CSIR und Rice Tec einen nochmaligen Überprüfungsantrag für das Patent auf Basmatireis lines and grains (US Patent Nr. 5.663.484), stellte, der durch die USPTO gewährt wurde, haben die Patentbewerber es vorgezogen, 15 von den 20 Forderungen zurückzuziehen.
Internationale Abkommen und Verträge, die sich mit IW beschäftigen, charakterisieren sich dadurch, dass sie nicht bindend sind. Jede Klausel, die sich mit Leistungsteilung beschäftigt, wird angefochten und abgelehnt. Obwohl die International Labor Organisation (ILO) Konvention Nr. 169 viel über legale Standards für indigene Rechte sagt, scheitern sie daran, die IPR (Intellectual Property Rights) von indigenen Menschen zu schützen. Während die UNO Deklaration auf den Rechten von IP die Rechte und die Aspirationen von IP erkennt, ist es ein nicht bindendes Dokument, welches nicht rechtsgültig erzwungen werden kann.
In einem internationalen Vertrag über pflanzlich genetische Ressourcen haben die Industrieländer eine internationale Anerkennung der Rechte der Farmer erfolgreich verhindern können. Außerdem haben sie jede Zahlungsabsicht zur Nutzung von traditionellem Germplasma in einem Arrangement verhindern können. CBD hat versucht die Interessen von IP durchzusetzen und wurde dadurch gehindert, dass Amerika sich weigerte es zu ratifizieren und die Bedingungen zu akzeptieren. Um IW im Interesse der Gemeinden zu schützen, ist auf der einen Seite ein Einwirken auf nationaler Ebene in Form von schützenden Gesetzen nötig, und auf der anderen Seite ein internationales Abkommen, welches Biopiraterie verhindert und welches erkennt, dass die Gewährung von Patenten auf das Eigentum von lokalen Gemeinden ethisch nicht vertretbar ist.
|
|
|
|
|